Ines Pohl im Gespräch

Die Nachwuchsjournalisten Bayerns (NJB) haben vom 14. bis 16. März eine Berlinfahrt organisiert (http://www.njb-online.de/machen-medien-politik-berlinfahrt-14-03-16-03-2012/). Einer der Höhepunkte war sicher das Gespräch mit taz-Chefredakteurin Ines Pohl. Im Konferenzraum der taz mit Blick auf die Rudi-Dutschke-Straße sprach Pohl über die Frauenquote, über den besonderen Geist ihrer Zeitung und die Gründungsgeschichte. 1979 ist die taz entstanden, um der „bürgerlichen Springerpresse“ Paroli zu bieten. Seit knapp 20 Jahren finanziert sich die taz mit einem Genossenschaftsmodell. Das heißt, man kann Anteile kaufen und ist damit an der Zeitung beteiligt. Das schließt zwar jegliche Mitsprache an der Gestaltung der Zeitung aus – aber man darf sich einmal im Jahr bei der Genossenschaftsversammlung zu Wort melden. „Es gibt derzeit 12.000 Genossen, die hinter der Zeitung stehen und sie in schwierigen Zeiten immer wieder gerettet haben“, sagt Pohl. Am 14. April feiert die Zeitung im Übrigen ihren 20. Genossenschaftsgeburstag, der mit einem Kongress zum Thema „Das gute Leben – es gibt Alternativen“ begangen wird. Das Programm: http://www.taz.de/programm/2012/tazlab/day_2012-04-14.de.html.

Ines Pohl spricht viel von Unabhängigkeit, von journalistischer Freiheit und von Qualität. Und vom ausgeprägten Korrespondentennetz der taz. Weltweit sollen demnach 30 Journalisten für die taz arbeiten – nicht ausschließlich, aber regelmäßig. Ein Drittel des taz-Etats fließt in die Auslandsberichterstattung. Dieser Etat reicht aber nicht aus, um zum Beispiel Reisekosten zu finanzieren. Deshalb hat die Zeitung im vergangenen Jahr einen „taz Recherchefonds“ gegründet, in den taz-Leser freiwillig einbezahlen. Als ich das erste Mal bei der netzwerk-recherche-Jahreskonferenz 2011 von Afrika-Korrespondentin Simone Schlindwein davon gehört habe fand ich das nur interessant. Inzwischen denke ich, das könnte tatsächlich ein Zukunftsmodell sein – allerdings nur, wenn das Medium es schafft eine derart intensive Verbindung zum Leser aufzubauen wie die taz.

Spannend ist natürlich auch wie die Politik konkret versucht Einfluss auf die Zeitung zu nehmen. 69 Prozent der Leser wählen DIE GRÜNEN – mit der Gründungsgeschichte der Partei ist die taz eng verbunden. „Deshalb glaubt die Partei sie habe Anspruch auf positive Berichterstattung“, sagt Ines Pohl. Allerdings sei das nicht der Fall, schließlich gehe es darum guten Journalismus zu machen – und der ist: uneitel. „Journalisten sind zu oft eitel und selbstbezogen“, sagt Pohl. Wichtig sei aber offen zu fragen und nicht nur Bestätigungen seiner Positionen einzuholen. Und Fehler transparent zu machen. Ines Pohl sagt selbstbewusst: „Wir sind eine große, wichtige Stimme in der deutschen Medienlandschaft und wir können bewusst Trends setzen.“

http://www.njb-online.de/machen-medien-politik-berlinfahrt-14-03-16-03-2012/

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: