Ein Reporter liebt die Menschen

Um eine gute Geschichte zu schreiben, muss man die Menschen lieben. Das sagt SZ-Reporter Holger Gertz über die Reportage. Gut 150 Studierende der Universität München hörten bei der Veranstaltung der Fachgruppe Junge zu.

„Es schadet nicht, ein Leben zu haben“, sagt er. Das Gespräch hat gerade erst angefangen und schon jetzt wird klar: von Holger Gertz wird es heute keine Schreibwerkstatt geben, keine Anleitung zum Handwerk. Trotzdem erzählt er den Studierenden der Kommunikationswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München etwas Grundlegendes über die Reportage. Holger Gertz vermittelt eine Haltung.

Holger Gertz im Gespräch mit Pauline Tillmann

Die Fachgruppe Junge hat zum dritten Mal an einer bayerischen Universität zum Gespräch mit einem Medienprofi geladen, um den Studierenden ein journalistisches Thema näher zu bringen. In München diskutierte Pauline Tillmann mit Holger Gertz, der bei der Süddeutschen Zeitung als Reporter für die Seite 3 arbeitet.

Was Gertz mit seinem Tipp, ein Leben zu haben, meint: Man muss Menschen und Situationen einordnen können, Andeutungen und Stimmungen verstehen. Dazu braucht es eigenes Erleben. „Und man muss die Leute lieben, sie verstehen, nicht richten.“ Das heiße nicht, unkritisch zu sein. Aber es gebe im Journalismus die Haltung, alles schon vorher und immer besser zu wissen. Für Holger Gertz ist das eine falsche Einstellung. „Ein guter Reporter versucht immer herauszufinden: warum macht diese Person das?“

Bevor der Reporter losgeht, sollte er sich aber zunächst noch zwei andere Fragen stellen: Warum diese Geschichte? Und warum gerade jetzt? Denn erst, wenn beides feststeht, könne aus einem „Text über…“ eine Geschichte werden.

Der Hörsaal an der Universität München war bei der Diskussion mit Holger Gertz bis zum letzten Platz besetzt

Die Studierenden fragen auch, wie der Medienwandel den Beruf des Reporters verändere. Er werde schwieriger, antwortet Gertz. Gründliche Recherche vor Ort müsse aber weiterhin möglich sein. Bei allem Druck und Mangel dürfe hier trotzdem nicht gespart werden.

Zum Schluss ging es dann wieder um Haltung. Diesmal um die des Publikums. „Die Leser wollen nicht nur die Befeuerung mich Nachrichten“, meint Holger Gertz. Die Reportage werde auch im Internet überleben, weil sie einen Zugang biete, den man auch nicht in Videos bekommen. „Und Eine gute Geschichte verändert den Leser sogar.“

Text & Fotos: chp

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