Über 100 Journalisten bei n-ost-Medienwerkstatt in Minsk

In Minsk (Belarus) hat das Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung erstmals den Austausch deutschsprachiger und belarussischer Journalisten in einem größeren Rahmen ermöglicht. An der siebten internationalen n-ost Medienwerkstatt nahmen Anfang Oktober mehr als 100 Journalisten aus Deutschland, Belarus, Polen, Russland und Litauen teil. Partner und Tagungsort der fünftägigen Veranstaltung vom 5.-9. Oktober war die Internationale Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ (IBB).

In über 70 Hintergrundgesprächen, auf Exkursionen, in Diskussionen und durch die Begegnung mit ihren belarussischen Kollegen haben sich die ausländischen Journalisten ein Bild über Lage und Stimmung in dem Land gemacht. Dort ist es seit den Präsidentschaftswahlen im Dezember 2010 zu anhaltenden, massiven Repressionen gegen Oppositionelle gekommen.

Gespräche mit Bürgerrechtlern und Oppositionellen

Unter den Gesprächspartnern der Medienwerkstatt waren oppositionelle Politiker und Bürgerrechtler, Unternehmer und Wirtschaftsexperten, Chefredakteure und Herausgeber staatlicher wie unabhängiger Medien, sowie belarussische Künstler der offiziellen und der Off-Szene. Auch die Leiterin der EU-Delegation in Belarus, Maira Mora, und der deutsche Botschafter, Dr. Christof Weil, waren unter den Gästen. Geplante Treffen mit offiziellen Vertretern von Kultur-, Außen- und Wirtschaftsministerium kamen dagegen letztlich nicht zustande.

Weiterer Schwerpunkt der Werkstatt war der fachliche Austausch der belarussischen und ausländischen Journalisten. In der Folge der Veranstaltung erscheinen umfangreiche Belarus-Beiträge in deutschsprachigen Medie n. n-ost publiziert zudem zum Jahreswechsel ein Belarus-Themenheft.

Gemeinsame Recherche

Im Vorfeld hatten die Organisatoren die politische Legitimität einer solchen Werkstatt in einem Land diskutiert, in dem nach wie vor oppositionelle Politiker inhaftiert sind. Auch vor dem Hintergrund sich jüngst drastisch verschärfender Strafgesetze betonte Zhanna Litvina, Vorsitzende des unabhängigen belarussischen Journalistenverbands (BAJ), gegenüber den Organisatoren die Wichtigkeit eines Dialogs gerade mit den unabhängigen Medien und kritischen Stimmen des Landes.

„Wir sind im Rückblick froh, dass wir uns auf diesen Weg – eine praxisnahe, professionelle Begegnung und gemeinsame Recherche von Journalisten beider Seiten – eingelassen und daran festgehalten haben“, sagt n-ost-Geschäftsführer Hanno Gundert. „Das Bemühen seitens der Behörden, die Berichterstattung über bestimmte Themen zu behindern, blieb letztlich wirkungslos“, so Gundert. „Bis auf eine Ausnahme konnten wir alle für uns wichtigen Gesprächspartner treffen und unser Programm ohne Abstriche durchführen.“

Partner und Förderer

Partner der n-ost Medienwerkstatt Minsk war neben der IBB der Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB), Landesverband des DJV. Als Veranstaltung im Rahmen der „Deutschen Woche“ stand die Medienwerkstatt unter der Schirmherrschaft der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Minsk. Die Veranstaltung wurde ermöglicht durch die Unterstützung der Robert Bosch Stiftung, der Metro Group, der Heinrich Böll Stiftung, der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, der Rosa Luxemburg Stiftung, der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Die n-ost Medienwerkstatt bringt seit 2006 jährlich Journalisten in wechselnden osteuropäischen Städten zusammen, bisher in Prag, Sofia, Bukarest, Rostow am Don und Pécs.

Weitere Informationen unter www.n-ost.org/minsk.

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