Recherche Online und Offline: wie sie besser gelingt.

Recherche ist der Ursprung jedes journalistischen Beitrags. Weil dabei aber immer wieder Probleme und Hindernisse auftauchen, bot die Fachgruppe Junge ihren Mitgliedern ein Rechercheseminar an. Zwei Experten verrieten, wie man am besten an Informationen gelangt.

Journalisten finden gerne heraus, was andere geheim halten wollen. Klaus Ott kann das. Er bildet mit zwei Kollegen das Ressort Investigative Recherche bei der Süddeutschen Zeitung. Mehrfach ist es ihm gelungen, zum Beispiel Fälle von Wirtschaftskriminalität zu enthüllen. Wie er dabei vorgegangen ist, erklärte Klaus Ott den 15 Teilnehmern im ersten Teil des eintägigen Rechercheseminars der Fachgruppe Junge im PresseClub München. Vor allem ging er jedoch auf Fragen ein und beschrieb, worauf es bei guter Recherche ankommt. Zunächst müssen gute Ansprechpartner gefunden werden. „Wenn man einen Hinweis hat“, sagt Klaus Ott, „überlegt man, wer Interesse daran haben könnte, dass etwas offen gelegt wird.“ Wichtig seien Kontakte in der Justiz und bei Ermittlungsbehörden. „Am Ende erkundige ich mich bei jedem Gesprächspartner, wen ich noch fragen könnte.“

„Der Quellenschutz ist absolut“: SZ-Journalist Klaus Ott.

Schwierig sei es oft, zu Informanten Vertrauen aufzubauen. Dazu müsse zum einen absoluten Quellenschutz zusichern. Zum anderen könne es helfen, dem Informanten Arbeitsproben zu geben. Vor allem sei aber die Ansprache wichtig. „Man muss dem Informanten sagen, dass das Gespräch dazu dient, die Sache besser zu verstehen und einzuordnen“, sagt Ott. „Ich erkläre meist, dass ich noch andere Gespräche führe und dieses hier zur Abrundung dient.“ Die Teilnehmer fragten auch nach dem Umgang mit Pressestellen. „Man sollte Pressesprecher immer mit dem Ergebnis der Recherche konfrontieren“, sagt Klaus Ott. So gehe man sicher, dass nichts fehlt und gebe dem Gegenüber die faire Möglichkeit, sich zu äußern.

Im zweiten Teil des Seminars ging es um Online-Recherche. Thomas Pfeiffer, freier Autor und Medienpädagoge, stellte Strategien vor, die bei der Suche im Internet schnell und präzise zum Ziel führen. Zunächst zeigte er, wie man Suchmaschinen optimal nutzt. Um möglichst passende Treffer im Web zu finden, dürfe man keine Fragen stellen. „Man muss“, sagt Pfeiffer, „immer mögliche Teile der Antwort vorwegnehmen.“ Wenn man das Dateiformat einschränke oder einen Zeitraum für die gewollten Ergebnisse festlege, werde die Suche noch genauer. Außerdem bieten Suchmaschinen noch andere Funktionen. Um Trends aufzuspüren, kann man zum Beispiel auswerten, wann bestimmte Begriffe wie häufig gesucht wurden.

„Frage nicht, antworte!“: Autor und Medienpädagoge Thomas Pfeiffer

Ebenso wichtig wie die Suche ist das Verwalten und Archivieren der Ergebnisse. Thomas Pfeiffer empfahl, bei einmal gefundenen Quellen einen Dienst – wie zum Beispiel RSS – zu abonnieren. So könne man anschließend gezielt diese Quellen durchsuchen. Vor allem bei Expertenblogs zu bestimmten Fachgebieten sei das hilfreich. Außerdem helfe es, die Ergebnisse nachzuvollziehen. Denn wie bei der Offline-Recherche, so sei auch Online eine sorgfältige Dokumentation notwendig.

Text & Fotos: chp

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