Hier ist Robin Lautenbach aus Warschau…

„Die Kaczynskis waren ein Glücksfall für mich“, sagt Robin Lautenbach. Ein Glücksfall deshalb, weil der ehemalige TV-Korrespondent deshalb viel mehr aus Polen zu berichten hatte. Lautenbach war 2004 bis 2009 für die ARD in Warschau und konnte abgesehen von den Kaczynski-Zwillingen sogar Beiträge über die polnische Innenpolitik realisieren. Außerdem war die deutsch-polnische Versöhnung ein wichtiges Thema, und die Aufarbeitung der gemeinsamen Vergangenheit. „Denn eigentlich hat man gedacht, dass mit dem EU-Beitritt Polens alles klar sei“, sagt Lautenbach, „tatsächlich wurde aber vor allem die Vergangenheit bis dato nur oberflächlich aufgearbeitet“.

Durch die Kaczynski-Zwillinge stand aber nicht nur die deutsch-polnische Geschichte auf der Agenda, ihre Regentschaft führte auch zu einem „demokratischen Reifeprozess“. Denn Polen hat nun mal eine sehr junge Demokratie und da läuft natürlich noch nicht alles so rund wie in Deutschland. Allerdings müsse man sich davor hüten, alles besser zu wissen, rät Lautenbach. Stattdessen solle man sich immer bewusst machen, dass man Gast in dem Land sei und dass man sich auch nicht instrumentalisieren lassen dürfe. So wurde der TV-Journalist von polnischen Radio- und Fernsehanstalten immer wieder für Interviews angefragt, wenn etwas in Deutschland passiert ist. „Klar, wir sind als Korrespondenten auch Botschafter Deutschlands, aber man sollte dennoch eine gewisse Zurückhaltung wahren.“ Dass diese Interviews überhaupt zustande kamen, hängt damit zusammen, dass sich Polen nur ein kleines Korrespondentennetz leisten kann – mit Kollegen in Brüssel, Moskau und Washington. In Deutschland haben selbst führende polnische Tageszeitungen keine festen Leute. Aber abgesehen von den Interviews fürs polnische Programm musste der ARD-Korrespondent alle Fernsehformate beliefern, vom Nachrichtenstück für die Tagesschau, über den Magazinbeitrag für die Tagesthemen bis hin zu Live-Schalten und Halbstundenfeatures.

„Dabei ist Polen für die Auslandsberichterstattung ein durchaus schwieriges Land.“ Denn die Polen seien den Deutschen sehr ähnlich – es fehle der Exotenfaktor, wie er bei Berichten aus Asien, Südamerika oder Afrika gegeben sei. Dennoch kann sich Lautenbach im Nachhinein nicht über zu wenig Arbeit beschweren. Es standen Jubiläen auf dem Programm wie „60 Jahre Warschauer Aufstand“ und „60 Jahre Befreiung in Ausschwitz“, außerdem der Tod von Papst Johannes Paul II. und einige interessante Feature-Themen zum Beispiel „Schlesien im Winter“, „Die vier Gesichter Krakaus“, „Die polnische Ostseeküste“, „Stadtportrait Breslau“ und „Polen von unten“. Als in Kattowitz ein Einkaufszentrum eingestürzt sei, sei es wichtig gewesen, dass Lautenbach seine Producer eigenständig losschicken konnte. „Natürlich ist man als Korrespondent ständig damit beschäftigt bei solchen Katastrophen live zu schalten, und da ist es wichtig, dass man Leute im Hintergrund hat, die Stücke produzieren.“ Wichtig sei es in diesem Zusammenhang die eigene Rolle zu definieren und kritisch zu hinterfragen. Denn viele Korrespondenten hätten das Gefühl positiv über ihr Gebiet zu berichten – „aber es ist nun mal nicht immer alles positiv, und um professionell zu sein, muss man beide Seiten zeigen.“ Um die Zuschauer abzuholen, müsse man manchmal auf Stereotype zurückgreifen, so Lautenbach, um sie ins Gegenteil zu verkehren.

Toppriorität während der Zeit in Warschau nahm für den 58-Jährigen die Sprache ein: „Für mich war das Wichtigste möglichst schnell Polnisch zu lernen und mich mit den Leuten direkt unterhalten zu können.“ Es sei der Schlüssel, um die Kultur zu verstehen – und um Menschen zu öffnen.

Und ausgesprochen professionell fand ich die Aussage: „Der Kunde hat immer Recht. Wenn eine Redaktion ein Stück bestellt, warum auch immer, bekommt sie das. Da gibt es für mich eigentlich keine Diskussion.”

Text: Pauline Tillmann

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