65 Jahre Bayerischer Journalisten-Verband

Am 2. Februar 1946 kamen in München Journalistinnen und Journalisten zusammen, um einen Berufsverband zu gründen. In Nachfolge des Bayerischen Schriftleiterverbandes, den die Machthaber des Naziregimes verboten und aufgelöst hatten, entstand der Bayerische Journalisten-Verband. Standen zunächst der Aufbau einer demokratischen Presse, der Abschluss erster Tarifverträge und die materielle Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen im Mittelpunkt, ist es heute ein breites Spektrum aus Tarifarbeit, Rechtsberatung, Aus- und Fortbildung, Service und sozialem Netzwerk, das der BJV seinen Mitgliedern bietet. Denn die Krise in den Medien bringt Verschiebungen in der Verbandsarbeit mit sich. Immer weniger Mitglieder haben eine Festanstellung, immer mehr arbeiten als Feiberufler. Immer mehr Verlage scheren aus der Tarifbindung aus, das Durchschnittseinkommen von Journalisten sinkt. Die Entwicklung der elektronischen Medien bringt Diskussionen um ein neues Leistungsschutzrecht für Verlage und eine Neuordnung des Urheberrechtes mit sich. Die Innenministerkonferenz steigt aus der Vereinbarung über den Presseausweis aus, was die schleichende Abwertung des Berufsstandes zur Folge hat. Die zunehmende Bedeutung der Aus- und Weiterbildung insbesondere für Freie Journalisten führt zur Aufwertung des Sozialwerks zu einem Bildungs- und Sozialwerk.

Die 65-jährige Geschichte des BJV ist mit einer Vielzahl ehrenamtlich engagierter Journalistinnen und Journalisten verbunden. Zu nennen sind unter vielen anderen besonders die Vorsitzenden Joseph Ackermann, Dr. Ernst Müller-Meiningen jr. und Dr. Erich Geiersberger sowie die hauptamtlichen Geschäftsführer Dr. Justus von Stackelberg , Hans Badewitz und Frauke Ancker. Sie alle halfen mit, den BJV zur mitgliederstärksten journalistischen Interessenvertretung in Bayern und innerhalb des Dachverbandes DJV zu machen. Der Bayerische Journalisten-Verband wird auch in Zukunft wachsam bleiben, um die Pressefreiheit vor politischer Einflussnahme zu bewahren und wird weiter bestrebt sein, seinen 8.600 Mitgliedern Rahmenbedingungen für ihre journalistische Arbeit zu sichern, in denen geistiges Eigentum und demokratische Verantwortung noch etwas wert sind.

Was prominente Vertreter aus Politik und Medien über den BJV sagen, haben wir im Anschluss zusammengestellt.

Ministerpräsident Horst Seehofer: „Dem Bayerischen Journalisten-Verband gratuliere ich herzlich zu seinem 65-jährigen Bestehen. Das Jubiläum lenkt den Blick in die Aufbruchzeit des Jahres 1946 zurück. Es erinnert daran, welche zentrale Rolle die Journalisten und eine freie Presse für den Aufbau und die Stabilität unseres demokratischen Gemeinwesens hatten. Damals entstanden in Bayern Parteien, Verbände und staatliche Institutionen sowie ein befreites kulturelles und gesellschaftliches Leben. Die Journalisten begleiteten dies leidenschaftlich, kritisch und verantwortungsbewusst. Nichts anderes tun sie heute in den Zeiten der europäischen Integration, der Globalisierung und der Digitalisierung. Dabei hat ihre Arbeit durch die Offenheit der Datennetze neue Bedeutung erlangt. Sie sind zu einem unverzichtbaren Navigationssystem im immer stärker wuchernden Dschungel der Informationen geworden. Völlig unabhängig davon, für welches Medium sie arbeiten, stehen sie mehr denn je vor der Aufgabe, die Ereignisse in der Welt für ihre Leser, Zuhörer und Zuschauer zu bündeln, zusammenzufassen und zu bewerten. Ihr Einfluss ist nach wie vor groß, aber damit auch ihre Verantwortung. Der Bayerische Journalisten-Verband hilft ihnen dabei, diese wichtige Aufgabe zum Wohl unserer Gesellschaft und im Dienste unserer demokratischen Ordnung wahrzunehmen. Er ist Berufsverband und Gewerkschaft zugleich. Er vertritt die beruflichen, gesellschaftlichen und sozialen Interessen seiner Mitglieder und ist damit auch ein wichtiger Ansprechpartner für Staat und Verwaltung. Er setzt sich zudem für die Fortbildung und soziale Sicherung der Journalisten ein. Für dieses umfangreiche Engagement danke ich ihm. Dem Bayerischen Journalisten-Verband wünsche ich weiterhin eine erfolgreiche Arbeit.“

Oberbürgermeister Christian Ude: „Es genügt nicht, dass die Pressefreiheit im Grundgesetz steht, sie muss auch mit Leben erfüllt und gegen Aushöhlung verteidigt werden – das zeigen nicht erst die aktuellen Vorgänge in Ungarn. Der Bayerische Journalisten-Verband ist mit seinen über 8.500 Mitgliedern unter dem Dachverband des DJV der größte Journalistenverband in Deutschland und hat in den 65 Jahren seines Bestehens viel für die Festigung der Pressefreiheit in unserem Land geleistet.
Er hat sich in kontinuierlicher Arbeit und einigen großen Tarifauseinandersetzungen für die materielle Absicherung der Journalistinnen und Journalisten eingesetzt – eine unabhängige und qualitativ hochwertige Berichterstattung erfordert angemessene Arbeitsbedingungen. Er hat sich auch in der Politik Gehör verschafft, um Einschränkungen der Pressefreiheit zu verhindern, besonders als nach den Anschlägen vom 11. September 2001 entsprechende Bestrebungen unter Berufung auf den Schutz vor Terrorismus zunahmen. Darüber hinaus hat der BJV eine wichtige Rolle in der Diskussion um journalistische Ethik gespielt und sich für die Qualität und die Ausbildung im Journalismus stark gemacht – etwa durch die Mitbegründung der Akademie der Bayerischen Presse. Denn im Zeitalter rasanter Veränderungen in der Medienlandschaft sind Niveau und Glaubwürdigkeit wichtiger denn je, damit die Medien ihrem Verfassungsauftrag gerecht werden können. Auch wenn in anderen Fällen ein Alter von 65 Jahren an Ruhestand denken lässt – der BJV wird in Zukunft eher noch mehr gebraucht werden als bisher!“

Andreas Scherer, Erster Vorsitzenden des Verbandes Bayerischer Zeitungsverleger VBZV: „Wir gratulieren dem Bayerischen Journalisten-Verband zu 65 Jahren seines Bestehens – einem Verband, bei dem in den ersten Jahren auch eine Reihe großer Zeitungsverleger Mitglied, ja zum Teil Gründer waren: etwa August Schwingenstein, Felix Buttersack, Werner Friedmann und Joseph E. Drexel. Erst später trennten sich Journalisten und Verleger wegen der Tarifpolitik. Seither ist uns der BJV ein verlässlicher Sozialpartner, nicht nur was die Tarifpolitik angeht, sondern auch bei vielen anderen Gelegenheiten. Besonders erwähnt sei hier die Aus- und Weiterbildung von Journalisten, etwa in der Akademie der Bayerischen Presse (ABP). Schließlich sind beide – Journalisten und Verleger – an dem Fortbestand und der Weiterentwicklung einer freien Presse interessiert, die ohne Qualitätsjournalismus nicht denkbar ist.“

Herbert Knur, Akademieleiter der Akademie der Bayerischen Presse ABP: „Ich gratuliere dem Bayerischen Journalisten-Verband persönlich und im Namen des Teams der Akademie der Bayerischen Presse herzlich zum 65. Geburtstag. Ich danke dem Jubilar für seinen Einsatz, insbesondere auch bei der Durchsetzung eines Tarifvertrages für die Aus- und Weiterbildung von Volontären. Ich danke den Verantwortlichen des BJV auch dafür, dass sie so manchen Hilferuf aus der ABP ernst genommen und schnell geholfen haben. Der BJV könnte als Jahrgang 1946 die Rente mit 65 beanspruchen. Ich bin froh, dass niemand auf die Idee kommt, dies zu tun. Die Journalisten brauchen ihren Verband. Ich wünsche dem BJV Erfolg und ich wünsche ihm die Menschen, die ihm neben den fleißigen Kräften in der Geschäftsstelle durch ihren ehrenamtlichen Einsatz zu Erfolg verhelfen.“

Dr. Matthias Lung, Akademie-Direktor der Bayerischen Akademie für Werbung BAW: „Mit den bayerischen Journalisten und ihren Medien verbindet die BAW doch erstaunlich viel. So waren zwei der Gründungsmitglieder im Jahre 1949 Medienunternehmen: ein Zeitungshaus (Süddeutscher Verlag) und ein Sender (der Bayerische Rundfunk). Die Freude über die bayerischen Journalisten ist auf allen Seiten maximal. Denn der Rezipient freut sich über die Werke des Journalisten, dieser wiederum über die Erlöse aus dem Vertrieb seiner Arbeit und aus dem Werbegeschäft. Die Werber wiederum freuen sich über ihre Arbeitsergebnisse, was sie wiederum bei der BAW gelernt haben. Dort freut man sich besonders über Journalisten und Mitarbeiter des BJV, die die Studenten unterrichten, gut über uns reden und schreiben. Heute freuen wir uns jedoch ganz besonders über den BJV und sein 65 jähriges Jubiläum. Wir gratulieren und wünschen dem Jubilar weiterhin viel Erfolg.“

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