Nix wie raus hier – aber richtig

Auslandserfahrung ist heutzutage eine der Schlüsselqualifikationen im Journalismus. Vor allem wenn man am Anfang seiner journalistischen Karriere steht hört man immer wieder: „Geh’ ins Ausland – das macht sich gut im Lebenslauf.“ Tatsächlich muss man aber, wenn man tatsächlich für einige Zeit in einem anderen Land arbeitet einiges beachten. Deshalb veranstaltete der Arbeitskreis Europa am 13. Januar im Presseclub München eine Podiumsdiskussion zum Thema „Erfolgreiche interkulturelle Kommunikation für Medienschaffende“.

Zunächst führte Monika Kraemer vom Institut für interkulturelle Kommunikation der LMU München mit einem Impulsreferat in das Thema ein. „Wichtig ist es sich von dem Glauben zu verabschieden, dass die eigene Art allgemeingültig ist“, sagt die Wissenschaftlerin gleich zu Beginn. Sie definiert interkulturelle Kommunikation dabei (nach Lehrstuhlinhaber Alois Moosmüller) so: „Es ist die Fähigkeit mit Individuen und Gruppen, die einer anderen Kultur angehören, erfolgreich zu kommunizieren.“

Ihre Beispiele aus der Wirtschaft zeigen, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem was man sagt und dem wie es ankommt gibt (Äußerungen – Innerungen). Außerdem ist es ratsam, wenn man auch mal die Perspektive wechselt und nicht nur à la Obelix sagt: „Die spinnen, die…“, weil das Verhalten der anderen anfangs meist schwierig nachzuvollziehen ist. Stattdessen sollte man sich die Werteorientierung bewusst machen, die dahinter steht. Ist man zum Beispiel eher einen partizipativen Führungsstil (USA) gewohnt, oder einen hierarchischen (Griechenland)? Arbeitet man eher selbständig (Deutschland) oder fragt man eher mal nach (Japan)?

Für eine erfolgreiche interkulturelle Kommunikation ist deshalb Wissen über die kulturelle Prägung des Anderen erforderlich. Es sind aber auch die eigenen Fähigkeiten gefordert, wie beispielsweise Flexibilität und vor allem auch Perspektivenwechsel. Dabei gibt es unterschiedliche Stufen von Kommunikation. Einkaufen und Taxi fahren in einem fremden Land dürften kein Problem sein. Essen mit Stäbchen kann man auch lernen. Wenn es aber um Begrüßungsrituale oder auch bestimmte Umgangsformen geht, wird es schon schwieriger (erfordert tieferes Kulturverständnis). Vor allem muss man sich bewusst machen: Jede Botschaft enthält immer mehr als eine Botschaft. Oder auch laut Paul Watzlawick: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“

Interessant dabei ist die Erkenntnis, dass die Deutschen im internationalen Vergleich eher „sachorientiert“ sind. Das heißt wir legen eher wenig Wert auf die Beziehungsebene. In Japan ist das komplett umgekehrt. Das muss man im Hinterkopf haben, wenn man zum Beispiel nach Japan geht oder mit Japanern zusammenarbeitet. Das Beispiel wie lange man bei einem Meeting braucht um anzufangen, zeigt deutlich: Die Deutschen brauchen fünf Minuten, die Japaner 15 Minuten und die Italiener bis zu 30 Minuten. Das ist nicht weder gut noch schlecht, es ist einfach ein Fakt, den man sich bewusst machen sollte.

Monika Kraemer meint schließlich: „Das Wichtigste ist, dass man authentisch bleibt und das Anderssein aushält.“ Außerdem helfe häufig Humor und Geduld. Sich ein bisschen zurückzunehmen, kann auch nicht schaden. Und: Der Beziehungsebene mehr Raum zugestehen und das Geschäftliche auch mal das Geschäftliche sein lassen.

Nach dem Impulsreferat von Monika Kraemer ging es in die Diskussion. Mit dabei war Libuse Cerna von Radio Bremen. Sie ist stellvertretende Redaktionsleiterin von Funkhaus Europa und kommt ursprünglich aus Prag. Das ist aber schon mehr als 30 Jahre her und so hört man die tschechische Herkunft nur noch an ihrem sympathischen Akzent. Sie erzählte davon, dass sie lange davon ausging, dass sie genauso arbeite wie ihre deutschen Kollegen. Das Buch „Perfekt geplant und genial improvisiert“ machte ihr jedoch vor zwei Jahren klar, dass die Deutschen nicht so kommunikativ seien wie die Tschechen. Heißt: Dass man nicht immer alles mündlich erklären muss sondern dass es besser ist, Mitteilungen auch mal schriftlich zu formulieren. „Die Tschechen unterhalten sich nun mal gern“, sagt Cerna, „deshalb habe ich das in Deutschland auch so gemacht, aber die Deutschen sind da nun mal anders.“

Der TV-Journalist Uwe Krist berichtete von seinen Erlebnissen in China, wo er eine Produktionsfirma unterhält: „China ist in vielerlei Hinsicht paradox – man kann da wirklich vieles falsch machen.“ So sei der Journalismus nur eine Ware – dass Meinungsfreiheit wichtig sei für eine funktionierende Demokratie, verstünden die Chinesen weithin nicht. Außerdem müsse man sich damit anfreunden, dass das Internet nicht frei sei wie bei uns sondern dass es ständig von 30.000 Kontrolleuren überwacht werde. Das Wichtigste in China sei aber das Essen, vor allem nachdem man zusammen Geschäfte gemacht habe. „Deshalb braucht man in China einen starken Magen und eine gute Leber“, so Krist.

Moderatorin Kornelia Doren berichtete an diesem Abend von ihren Erfahrungen in Italien. „Wenn man zum Beispiel ein Konzept macht, wenn man zum Drehen geht, dann fühlen sich die Italiener schnell überrumpelt.“ Besser sei es sich zuerst ausgiebig kennen zu lernen, wenn man zu einem vernünftigen Ergebnis kommen wolle. Auch hier spielt das Essen eine wichtige Rolle: „Schließlich werden da gemeinsam Ideen entwickelt.“ Später müsse man das angespannte Zeitbudget durch Improvisation ausgleichen, so Doren. Aber: Am Ende sei es immer noch gut gegangen – auch wenn es schon mal vorkommt, dass das Honorar drei Monate später kommt als vereinbart.

Radiojournalistin Libuse Cerna glaubt: „Das mit der interkulturellen Kommunikation ist bei der jüngeren Generation gar nicht so ein Thema – die sind flexibler und entspannter im Umgang miteinander.“ Trotzdem bleibt es natürlich ein „ewiges Improvisieren und sich bewusst machen“, wenn man mit fremden Kulturen zu tun habe. Hilfreich sei auch sich „Verbündete“ zu suchen, findet TV-Mann Krist. In seinem Falle: chinesische Geschäftspartner, die als Türöffner agieren.

Abschließend lässt sich festhalten, dass interkulturelle Kommunikation nicht einseitig funktioniert. Es müssen sich beide Seiten anstrengen und die Andersartigkeit aushalten, das heißt tolerant sein – ohne gleichgültig zu werden. Und: Mal die Perspektive zu wechseln und sich in den anderen hineinzuversetzen, kann sicher auch nicht schaden.

Autorin: Pauline Tillmann

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