Archive for Januar 2011

Die Königsdisziplin im Praxistest

Januar 29, 2011

Die Reportage ist die Königdisziplin im Journalismus. Wer gute Reportagen schreiben kann, der hat es geschafft. Bei Holger Gertz ist es jedenfalls so. Er ist einer der wenigen Seite-3-Reporter der Süddeutschen Zeitung und hat vom 28. bis 30. Januar ein Medienseminar auf Kloster Banz gegeben – in Zusammenarbeit mit den Nachwuchsjournalisten Bayerns (NJB) und der Hanns-Seidel-Stiftung.

Die einleitenden Worte klingen wenig motivierend: „Man kann die Reportage nicht in zwei Tagen erlernen“, so Holger Gertz am Freitagnachmittag – „aber man kann sich dieser besonderen Form annähern“. Und darum ging es dann auch. Sich annähern daran, was eine gute Reportage ausmacht. Zum Beispiel mit Hilfe des Leitsatzes: „Sei nie langweilig!“ Oder: „Sei vor Ort!“ Klingt banal, ist es aber nicht. Schließlich ist das Wichtigste für einen Reporter die Stimmung vor Ort aufzusaugen – und diese Stimmung im Anschluss in Worten, Sätzen und Formulierungen wiederzugehen. „Nur wer draußen war, kann eine Reportage schreiben“, sagt Gertz. Und hat Recht damit. Denn nur dann kann man beschreiben was man vor Ort gehört, gerochen, geschmeckt und gefühlt hat. Schließlich besteht eine gute Reportage aus vielen Details – Holger Gertz: „Während der Recherche muss der Reporter diese Details für seine Geschichte zusammenkratzen“. Einer seiner zentralen Sätze lautet: „Die kleinen Dinge sehen und ihre Größe begreifen.“

Demnach sei nicht das Klischee das Entscheidende, sondern das sprechende Detail. „Sprechende Details zu finden ist schwierig, denn sprechende Details sind wie Gold.“ Laut Gertz lohnt sich aber die Mühe, denn Details erklären mehr als tausend Worte. So ist die Reportage „immer ein Ausschnitt aus dem großen Ganzen, der das große Ganze erklärt“. Wichtig bei der Reportage sei auch das „Casting“, wie es Gertz nennt. Der SZ-Reporter meint damit, dass es wichtig sei, eine passende Hauptperson für seine Geschichte auszuwählen. „Der Leser soll sich hineinfühlen in den Protagonisten. Wenn der Leser etwas fühlt, wird die Geschichte anschaulich. Den Leser wissend, traurig, wütend machen – das ist ein schönes Ziel“, so Gertz. Um das zu erreichen brauche man eine Person, die Leidenschaft versprühe.

Wenn man diese leidenschaftliche Person gefunden hat, soll man möglichst noch den „richtigen Schauplatz“ finden. Das heißt, sich mit dem Protagonisten nicht nur am Schreibtisch zu unterhalten sondern hinauszugehen und etwas zusammen zu erleben. Das heißt: Den Protagonisten in Interaktion mit anderen Menschen zu beobachten, oder im privaten Umfeld.

Zeit nehmen sollte man sich vor allem für den Anfang, denn laut Gertz ist der Einstieg der prominenteste Teil der Geschichte. Der Einstieg kann szenisch sein, gerne persönlich, oder auch geheimnisvoll. Und so wichtig der Anfang ist, genauso wichtig ist der Schluss. Gertz sagt: „Ein guter Schluss rundet die Geschichte ab.“ Demnach kann ein starkes Zitat der Schluss sein, oder eine aussagekräftige Beobachtung, gerne auch die Zusammenfassung der Geschichte in einem Satz.

Da die Reportage eine sehr subjektive journalistische Form ist, ist es wichtig die eigene Haltung zu finden – ohne den Leser zu belästigen. Deshalb empfiehlt Holger Gertz die Ich-Form nach Möglichkeit zu vermeiden. Für die Sprache sei es wichtig, seinen eigenen Stil zu finden. Das heißt, am besten Alltagssprache zu verwenden, mit kurzen, prägnanten Sätzen – nach dem Motto: „Nicht auf das schöne Wort kommt es an, sondern auf das treffende.“

Neben dem journalistischen Handwerk hat Holger Gertz den jungen Journalisten noch einige entscheidende Ratschläge mit auf den Weg gegeben. Erstens: zuhören. Zweitens: sich gut vorbereiten. Drittens: sich in die Protagonisten hineinfühlen (Stichwort Empathie). Viertens: sich dümmer stellen als man ist. Fünftens: Texte nie vor der Veröffentlichung für eine Autorisierung vorlegen, maximal Zitate. Sechstens: Das Thema (roter Faden) nicht aus dem Blick verlieren. Siebtens: zwischendurch unterhaltsam oder witzig sein schadet nicht. Achtens: Texte laut lesen. Neuntens: eine Nacht darüber schlafen.

Zehntens – und das ist mein persönlicher Tipp: Texte von Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung lesen, zum Beispiel die Reportage über den ehemaligen SPD-Abgeordneten Axel Berg nach der letzten Bundestagswahl (erschienen am 30.09.2009).

Text: Pauline Tillmann

Finanzen & Wirtschaft: VÖB-Medientage für Nachwuchsjournalisten

Januar 29, 2011

Die Förderung des journalistischen Nachwuchses wird vom 3. bis 4. März 2011 bei den „VÖB-Medientagen für Nachwuchsjournalisten“ wieder im Mittelpunkt stehen. Als Kooperationspartner konnte der VÖB erneut den Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB), Landesverband des Deutschen Journalistenverbandes, gewinnen. „Mit dem Programm der VÖB-Medientage werden aktuelle Finanz- und Wirtschaftsthemen detailliert beleuchtet und in spannenden Vorträgen und Diskussionen dem journalistischen Nachwuchs aus ganz Deutschland näher gebracht. So sollen Nachwuchsjournalisten ihr theoretisches Wissen zu finanzwirtschaftlichen Zusammenhängen und gleichzeitig ein Netzwerk zu Kollegen und Bankspezialisten aufbauen können“ so Dr. Stephan Rabe, Bereichsleiter Presse, Kommunikation und Politikkontakte beim VÖB. Abgerundet wird das Programm durch das Kamingespräch mit Sebastian Fischer (Spiegel Online) über den Dächern Berlins. Das detaillierte Programm finden Sie nachfolgend. Für die teilnehmenden Journalisten entstehen in Berlin keine Kosten. Interessenten können sich ab sofort unter http://www.voeb.de für eine Teilnahme bewerben.

Der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB, vertritt die Interessen von 62 Mitgliedsinstituten, darunter die Landesbanken sowie die Förderbanken des Bundes und der Länder. Mit einer Bilanzsumme von 1.939,3 Mrd. EUR (Geschäftsjahr 2009) beläuft sich der Marktanteil der VÖB-Banken auf rund 26 Prozent des deutschen Bankenmarktes. Die VÖB-Banken beschäftigen rund 80.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Weitere
Informationen unter http://www.voeb.de

Donnerstag, 3. März 2011

Opening, Begrüßung der Teilnehmer, Vorstellung der Teilnehmer

Panel 1: „Wege aus der Krise – brauchen wir in Deutschland Landesbanken?“
Referent: Matthias Priwitzer, Direktor, Leiter Externe Kommunikation & Presse, BayernLB, München

Mittagspause

Panel 2: „Bilanzen lesen und verstehen“
Referent: Simon Recker, Referent im Bereich Bilanzierung, Interne Revision und Immobilienanalyse, VÖB, Berlin

Networking am Potsdamer Platz

Kamingespräch über den Dächern Berlins Abendessen und Dialog mit Sebastian Fischer,
Spiegel Online

Freitag, 4. März 2011

Get-together zum 2. Seminartag

Panel 3: „Das Geschäftsmodell einer Direktbank“
Referent: Dr. Stefan Popp, Bereichsleiter Privatkunden, Deutsche Kreditbank (DKB), Berlin

Mittagspause und Fototermin

Panel 4: „Finanzmarkttransaktionssteuer – Richtige Weichenstellung oder falscher Alleingang?“
Referent: Thomas Ihering, Abteilungsdirektor im Bereich Recht und Steuern, VÖB, Berlin

„Belarus: Die Macht des Wortes. Ein Abend mit Schriftstellern und Künstlern aus Minsk“

Januar 27, 2011

Einladung am 8. Februar 2011 zur Veranstaltung „Belarus: Die Macht des Wortes. Ein Abend mit Schriftstellern und Künstlern aus Minsk“. Das Podiumsgespräch findet im Roten Salon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz statt und beginnt 20.00 Uhr.

Belarus hat gewählt. Sicherheitskräfte beendeten die friedlichen Demonstrationen gegen Wahlfälschungen in der Wahlnacht mit Gewalt. Mehr als 700 Personen wurden in den darauffolgenden Wochen inhaftiert. Zu den Inhaftierten gehören fast alle oppositionellen Präsidentschaftskandidaten und ihre Mitstreiter. Zu den Inhaftierten gehören auch Schriftsteller, Regisseure, Schauspieler, Musiker und andere Künstler.

Wer anders denkt, steht unter dem Generalverdacht des Staatsverrats und muss heute in Belarus um Leib und Leben fürchten. Wer anders spricht, hat offensichtlich aber auch Macht genug, die Macht herauszufordern.

Gäste aus Minsk, Zeugen und Betroffene der Ereignisse, berichten von der Stimmung im Land. Sie sprechen über die Zukunft von Belarus und über die Rolle der Intellektuellen in dem Ringen um Freiheit. Ljawon Wolski wird die Veranstaltung zudem musikalisch begleiten.

An dem Podiumsgespräch nehmen teil:
– Swetlana Alexijewitsch, Schriftstellerin
– Artur Klinau, Künstler
– Ljawon Wolski, Musiker und
– Ingo Schulze, Schriftsteller
Moderation: Manfred Sapper (Chefredakteur der Zeitschrift OSTEUROPA)

Der Eintritt ist frei. Es besteht die Möglichkeit, auf der Veranstaltung Spenden zur Unterstützung der politisch Inhaftierten zu geben.

Neue Publikation des Netzwerk Recherche zum Online-Journalismus

Januar 25, 2011

„Zukunftspfade und Sackgassen“ heißt die neue Publikation, herausgegeben von Netzwerk Recherche. Die Beiträge befassen sich mit Online-Journalismus und dessen Einflüssen im Netz. Ab sofort gibt es das PDF (196 Seiten, 1,2 MB) zum Download. Für die Weiterverbreitung gibt es auch einen kurzen Link: http://tinyurl.com/ojour-werkstatt

Den gedruckten Band kann man gegen Einsendung eines mit 1,45 Euro frankierten und adressierten DIN C5-Umschlags bei der netzwerk recherche-Geschäftsstelle bestellen.

Netzwerktreffen zum Thema interkultureller Journalismus

Januar 25, 2011

im Nachgang zum BJV-Vortrags- und Diskussionsabend „Interkulturelle Kommunikation“ lädt der BJV zum interkulturellen Netzwerk-treffen in den Münchner PresseClub ein. Die letzte Veranstaltung hat gezeigt, dass zwei Stunden für einen Austausch über unsere Erfahrungen im Ausland nicht reichen. Daher haben wir ein Netzwerktreffen organisiert und würden gerne mit Ihnen über folgende Länder und Regionen diskutieren:

Pauline Tillmann, Vorsitzende der Fachgruppe Junge, hat vor allem in Russland und Rumänien journalistische Erfahrungen gesammelt und in letzter Zeit einige Recherchereisen, unter ande-rem nach Georgien und in die Republik Moldau, unternommen (siehe auch: http://www.pauline-tillmann.de).

Torsten Teichmann arbeitet seit einigen Jahren als Redakteur bei der Informationswelle „B5 aktuell“ und wird regelmäßig als Vertretung für das ARD-Studio Tel Aviv eingesetzt. In einem Jahr wird er als Korrespondent dorthin geschickt und berichtet uns an diesem Abend von seinen täglichen Herausforderungen und Problem im Nahen Osten.

Kornelia Doren, Beisitzerin im Arbeitskreis Europa, hat Erfahrungen in Italien gesammelt und erzählt von ihrer Zusammenarbeit mit italienischen Medienschaffenden.

Zeit: Montag, den 31. Januar, von 19 bis 21 Uhr
Ort: PresseClub München, Marienplatz 22 / IV, 80331 München

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich – wir freuen uns auf eine lebhafte Diskussion mit vielen Fragen.

Whistleblowing, Wikileaks, neue Transparenz?

Januar 23, 2011

Di., 08.02.2011, 20:00 Uhr, Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstrasse 8, 10117 Berlin.

In Rahmen der „Gespräche zur Netzpolitik“ lädt die Heinrich-Böll-Stiftung zur Podiumsdiskussion über „Whistleblowing, Wikileaks und die neue Transparenz“. Es diskutieren
– Daniel Domscheit-Berg, OpenLeaks.org / Ex-WikiLeaks-Sprecher ,
– Constanze Kurz, Informatikerin und Sprecherin des Chaos Computer Clubs (angefragt) ,
– Konstantin von Notz, MdB, Bündnis 90/Die Grünen ,
Moderation: Daniel Schulz, Ressortleiter taz2/Medien, die tageszeitung

Welche Auswirkungen hat die neue Transparenz auf die Gesellschaft? Wie muss eine ideale Whistleblowing-Plattform aussehen, die nicht die Fehler von WikiLeaks wiederholt? Wie verändert sich der investigative Journalismus durch diese Plattformen? Wie kann zur Förderung öffentlicher Transparenz eine sinnvolle Zusammenarbeit der politischen, gesellschaftlichen und medialen Akteure aussehen?

Die Veranstaltung wird auch im Netz übertragen: http://www.boell.de/stream.

Frei und erfolgreich? Geht doch!

Januar 23, 2011

„Wenn ein guter Job lockt, kennen manche freie Journalisten keinen Samstag, kein Wochenende, sie arbeiten nachts durch“ – so jedenfalls die Aussage von Werner Hinse. Er arbeitet selber als freier Journalist und Autor im westfälischen Münster. Am 20. Januar hat er im Presseclub München auf Einladung der BJV-Fachgruppe Freie von seinen Erfahrungen und von Interviews mit Freien berichtet, die von Simon Lenartz am Institut für Journalistik in Dortmund durchgeführt wurden.

Werner Hinse ist seit 2002 Freier und sagt: „Es gibt immer mehr von uns.“ Um Geld zu verdienen hat er einen „Gemischtwarenladen mit Sachen Journalismus“, um sich ehrenamtlich zu engagieren ist er seit 2004 Mitglied im DJV-Gesamtvorstand NRW. Der „Gemischtwarenladen“ besteht bei dem 54-Jährigen unter anderem aus der Tätigkeit als Textautor und als Dozent im Haus Busch in Hagen. Vor einigen Jahren hat er einen Artikel zum Thema „Von Print leben? Geht doch!“ geschrieben. Seitdem beschäftigt er sich verstärkt mit dem Freiendasein im Allgemeinen und dem Print-Freien im Speziellen. Zwischen 12.000 und 25.000 freie Journalisten gibt es in Deutschland. Der DJV sagt es sind 25.000, Professor Weischenberg aus Hamburg geht von 12.000 aus – eine Definitionsfrage also. Aber egal wie viele es am Ende wirklich sind, interessant ist: „Sie reden nicht mit anderen Freien darüber, wie ihr Einkommensmix aussieht“, meint Werner Hinse. Denn die meisten Freien seien ständig dabei ihre Pfründe zu sichern und würden in anderen Freien in erster Linie Konkurrenten sehen.

Dabei geht die Vorstellung von Freien weit auseinander. Die einen denken bei Freien an selbstbestimmte Unternehmer, die sich ihre Arbeitszeit frei einteilen könnten – und andere definieren Freie als Arbeitssklaven ohne soziale Absicherung. Sicher sei jedoch, so Hinse, dass sie grenzenlos belastbar und Tag und Nacht verfügbar sein müssten. So sind sie „Mitarbeiter auf Abruf“, aber nicht zuletzt auch „Huren des Geschäfts, die alles stehen und liegen lassen, wenn ein Anruf kommt“. Um ein realistisches Bild von Freien in Deutschland zu zeichnen, führte der Dortmunter Student Simon Lenartz so genannte „Leitfadeninterviews“ und ging vor allem der Frage nach: Welche Strategie hat sich der Einzelne zurechtgelegt, um sich als Freier durchzuschlagen? Oder anders ausgedrückt: Welchen „Gemischtwarenladen“ hat er sich zu Eigen gemacht?

Bevor Hinse zu den Ergebnissen dieser Leitfadeninterviews kam, berichtete er von bemerkenswerten Statistiken – Statistiken, die beim einen oder anderen im Raum ein lautstarkes Stöhnen hervorriefen. Zum Beispiel, dass ein durchschnittlicher Print-Freier in Deutschland laut Künstlersozialkasse im Jahr 16.232 Euro netto verdient. Macht 1.352 Euro im Monat. Dabei gibt es interessanterweise große Unterschiede zwischen Männern und Frauen und auch ob es sich um Berufsanfänger handelt oder um 30- bis 40-Jährige. Frauen in dieser Kategorie verdienen netto nämlich 12.812 Euro, monatlich also überschaubare 1.067 Euro. Das Staunen im Publikum wird größer und größer, schließlich sind die meisten der rund 30 Gäste Frauen.

Aber eigentlich sollte Werner Hinse an diesem Abend von positiven Beispielen erzählen, die Mut machen sollten. Und mit seinen realen Beispielen versuchte er das auch. Doch wenn man von einer 33-jährigen Kollegin hört, die als Lokaljournalistin arbeitet und sagt „Die Masse macht’s“, klingt das irgendwie alles andere als ermutigend. Bis vor kurzem hat sie sieben Tage die Woche gearbeitet – vor allem Samstag und Sonntag – wodurch ihr Privatleben verständlicherweise massiv gelitten hat. Außerdem konnte sie weder planen noch krank werden. Einer ihrer Auftraggeber sagte über sie: „Sie liefert zuverlässig, sie ist gut und sie kommt mit Ideen. Sie ist die ideale freie Mitarbeiterin.“ Damit man als Freie davon leben kann, sagt sie, müsse man „immer am Ball bleiben, sich perfekt selbst verwalten und tippen, tippen, tippen“. Außerdem setzt die Printkollegin aus der Provinz auf Mehrfachverwertung, zum Beispiel in Zeitschriften und sagt nüchtern: „Die fetten Jahre mit Absicherung sind vorbei.“ Und weil man dieses Lebensmodell nicht ewig machen kann, hat sie sich inzwischen einen Halbtagesjob in der Öffentlichkeitsarbeit eines Verbandes gesucht. Jetzt muss sie nicht mehr jedes Wochenende raus.

Ein anderer Fall beschreibt einen Printkollegen, der in Bonn lebt, 44 Jahre alt ist und von sich sagt: „Ich arbeite keine acht Stunden am Tag. Um das zu können, muss man gut sein und sich anstrengen.“ Oder: „Man muss sich von vielen schlecht bezahlen lassen.“ Denn auch dieser Freie lebt von der Masse. Er zählt 60 Tageszeitungen zu seinen Kunden und versucht seine Artikel mehrfach zu verkaufen. Außerdem textet er für Bücher und für Kalender. Sich bei der PR etwas dazuzuverdienen, lehnt der ehemalige Henri-Nannen-Schüler allerdings ab. Das journalistische Distanzgebot sei ihm heilig, sagte er seinem Interviewer Simon Lenartz. Und er sagte auch: „Wer zu faul, zu undiszipliniert und zu wenig aggressiv ist, der kann nicht als Freier arbeiten.“ Sein Geschäftsmodell „unverlangt eingesandt“ funktioniere nur, weil er eine kaufmännische Hartnäckigkeit entwickelt habe.

Dabei könne man derzeit eine allgemeine Tendenz feststellen, so Hinse, dass viele Journalisten in die PR- und Öffentlichkeitsarbeit abwanderten. „Wer davon ausgeht, dass man da viel besser bezahlt werden würde, der irrt“, warf eine Frau aus dem Publikum ein. Sie habe jahrelang in der PR gearbeitet und die Nachfrage bestimmt bekanntlich den Preis. „Da aber inzwischen so viele in die Branche abwandern, drückt das den Preis klar nach unten.“ Andere Diskutanten im Publikum echauffierten sich darüber, dass es immer wieder Freie gebe, die Artikel für lau anbieten würden: „Wenn man jung ist oder Student, dann kann ich das verstehen, aber wenn die Verleger immer einen Dummen finden, der ihnen das für fast umsonst macht, dann werden sie an ihren Dumpingzeilenhonoraren nie etwas ändern.“

Werner Hinse meinte anschließend: „Insgesamt sollten die Freien ein anderes Selbstbewusstsein entwickeln und sich ernsthaft fragen, was bin ich wert?“ Idealerweise müsste so etwas wie eine „Solidarisierung“ zwischen den Freien stattfinden, damit die Zeitungen eben keine Texte mehr für lau angeboten bekämen, in der Hoffnung, dass ein Folgeauftrag dabei rausspringen könnte. Aber auch Hinse weiß, dass so eine Solidarisierung (möglicherweise) Zukunftsmusik ist, im Moment jedenfalls alles andere als greifbar.

Viel zu schreiben ist schön und gut, auch nah am Menschen zu sein, hört sich zunächst toll an. Aber zum Freiendasein gehört mehr als zu schreiben und auf Termine zu gehen. Dazu gehört auch Marketing, Akquise von neuen Kunden und Buchhaltung – nicht zu sprechen von der Steuererklärung am Ende des Jahres. „Das führt bei vielen Freien zu Stress und zu Überforderung“, glaubt Hinse. Und: zu Entgrenzung. „So schaffen es viele Freie – vor allem Berufsanfänger – nicht zwischen Arbeit und Privatleben zu trennen.“ Tröstend sagte Hinse zum Schluss: „Im Laufe der Zeit wird das aber deutlich besser, ganz einfach weil man das auf Dauer sonst nicht durchhält.“

Autorin: Pauline Tillmann

on3-Kurzfilmwettbewerb

Januar 21, 2011

Zum dritten Mal ruft on3, das junge Programm des Bayerischen Rundfunks, Nachwuchsfilmemacher auf, ihren eigenen Kurzfilm zu drehen und beim on3-Kurzfilmwettbewerb einzureichen. Die Voraussetzungen: Der Film darf nur drei Minuten lang sein, der erste Satz muss aus drei Worten bestehen und folgende drei Dinge müssen darin vorkommen: Wasser, Post-it, Automat.

Einsendeschluss ist der 1. März 2011

Die zehn besten Filme zeigt on3 im Rahmen des Landshuter Kurzfilmfestivals am Samstag, 26. März 2011, um 16 Uhr im „Kinopolis“- Kino Landshut.
Die Festivalzuschauer wählen dann die drei Gewinnerfilme aus. Der Preis: Der Bayerische Rundfunk unterstützt die Nachwuchsregisseure bei ihrem nächsten Projekt – ob Regie, Produktion oder Equipment, je nach Bedarf des Filmemachers.

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Social Media Conference

Januar 21, 2011

Die Social Media Conference, die Konferenz zu Facebook, Twitter, Youtube & Co., findet bereits zum zweiten Mal statt. Nach dem ersten Termin in München, ist die nächste Konferenz am 15. und 16. Februar 2011 in Hamburg. Die zweitägige Anwenderkonferenz gibt einen Überblick über die wichtigsten Fragestellungen rund um das Thema Social Media.

Die Teilnehmer hören aktuelle Case Studies, Studien und erhalten praxisnahe Tipps. Das Thema Social Media wird aus unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchtet. Themen sind: Markenbildung und -führung, Monitoring der Social Media Aktivitäten, Unternehmenskommunikation & Social Media, Auswirkungen auf die Unternehmensorganisation, rechtliche Aspekte etc.

Die Konferenz richtet sich branchenübergreifend an Führungskräfte und Manager aus Unternehmen, die zukünftig mit Ihren Produkten/Dienstleistungen verstärkt in Social Media Kanäle aktiven werden oder bereits eingeführt Maßnahmen verbessern möchten.

Weitere Infos hier.

7. Studentische Medientage Chemnitz

Januar 21, 2011

Ab sofort können sich junge Medieninteressierte als Referenten für die 7. Studentischen Medientage Chemnitz anmelden – und zwar noch bis zum 31. Januar 2011.

Jeder ist aufgerufen, seine Abschlussarbeit, sein Forschungsprojekt oder die Seminararbeit aufzubereiten und einem aufgeschlossenen, medieninteressierten Publikum im April kommenden Jahres vorzustellen. Thema ist die mediale Inszenierung.

Mehr dazu hier.

Wer nicht als Referent antreten will, kann auf den 7. Studentischen Medientagen Chemnitz auch als Zuschauer interessante Podiumsdiksussionen und Workshops erleben.