Woher kommt der Erfolg der ZEIT?

„Der Erfolg der Wochenzeitung DIE ZEIT resultiert aus dem Anspruch an Qualitätsjournalismus“, sagt Matthais Naß, stellvertretender Chefredakteur, bei einem Hintergrundgespräch mit jungen Journalisten. Man sei seiner „intellektuell geistig liberalen Haltung treu geblieben“ und das wurde vor allem in Zeiten der Wirtschaftskrise belohnt. Den Schlüssel zum Erfolg bringt Naß deshalb auf die einfache Formel: Modernisieren ohne die eigenen Wurzeln zu kappen. So habe sich das Blatt in den vergangenen Jahren zwar sehr stark verändert (einige neue Rubriken eingeführt wie KINDER ZEIT, Glaube & Zweifel, Leserseite etc.), die Bildsprache für eine optimierte „Leserführung“ angepasst und nicht zuletzt Infografiken zur besseren Veranschaulichung von komplizierten Inhalten etabliert… aber der Kern (liberale Haltung) sei über all die Jahre immer gleich geblieben.

Bei der Onlineausgabe der ZEIT, zeit.de, lautet die Zusammensetzung der Artikel: 70 Prozent zeit.de-Redaktion, 20 Prozent Artikel der Wochenzeitung, 10 Prozent Tagesspiegel und andere Holtzbrinck-Medien. „Die augenfälligste Veränderung der Printausgabe seien die beiden Leitartikel“, so Matthias Naß. „Denn: Das Wichtigste an der ZEIT ist unsere Meinung und die Analyse.“ Über den Erfolg des ZEIT Magazins sagte der stellvertretende Chefredakteur fast schon süffisant: „Das Magazin ist emotionaler, entspannter und leichter als die Zeitung. Und das ist auch gut so.“

Interessant: Matthias Naß wird ab 1. Januar 2011 „Internationaler Korrespondent“, siehe: http://www.zeitverlag.de/pressemitteilungen/matthias-nas-wird-internationaler-korrespondent-der-zeit-moritz-muller-wirth-ubernimmt-nachfolge-als-stellvertretender-chefredakteur/ .

Blogeintrag:

Berlin, Bild

Berlin, Imame und Integration

Ich bin oft in Berlin. Alle drei, vier Monate. Das ist oft, wenn man bedenkt, dass München von Berlin mehr als 600 Kilometer entfernt ist. Mit dem Zug sind das mindestens sechs Stunden. Ziemlich oft sind es auch sieben. In Berlin bin ich meistens länger, um Filme für DW-TV fertig zu machen. Ich bin Bayern-Reporterin für DW-TV. Das heißt, ich mache Filme aus Bayern und kann auch in Bayern mit Produktionsfirmen drehen und schneiden. Bei längeren Fernsehbeiträgen ist es sinnvoll eigens nach Berlin zu reisen, weil dann die Absprachen leichter fallen (Abnahmen, Umschnitt etc.).

Anfang November habe ich einen knapp achtminütigen Film für DW-TV gemacht (für die Sendung „Journal – Tagesthema“). Es geht um das Pilotprojekt „Imame für Integration“, das in Nürnberg angelaufen ist: Imame aus der Türkei lernen in zehn Monaten Deutsch. Um Brücke zu sein, zwischen deutscher Mehrheitsbevölkerung und türkischen Gemeindemitgliedern. Dafür habe ich den Unterricht in Nürnberg mehrmals besucht und den Imam aus Münchberg, Coskun Öztürk, beim Arzt, in der Schule und beim Freitagsgebet gedreht. Also nicht selber, sondern mit Kamerateam. Mein Kameramann Mike hat super reportagig gedreht, so dass wir immer wieder schöne Reportagesequenzen zeigen können.

Es war mein erster langer Film. Meine bisherigen Magazinfilme hatten eine Länge von 2.30 bis 5.00 Minuten. Jetzt also knapp acht Minuten. Ich bin jedes Mal wieder überrascht wie aufwendig Fernsehen ist. Wenn man bedenkt, wie viel Arbeit ich in diesen Film gesteckt habe (Recherche, Drehtage, Schnitt etc.), dann ist das schon ganz schön krass. Ich denke mir dann immer: Wie einfach im Vergleich dazu Radio funktioniert! Aber: Es lohnt sich. Und ich mag es im Team zu arbeiten. Deshalb will ich die Arbeit fürs Fernsehen auch nicht missen.

Der Vorteil an DW-TV: Ich mag die Redaktion. Ich mag den internationalen Spirit. Ich mag die Themen. Und ich finde es super, dass die Beiträge immer auch in andere Sprachen (Englisch, Arabisch und Spanisch) übersetzt werden, so dass sich die Arbeit sogar noch mehr lohnt, weil der Beitrag nicht nur einmal gesendet wird.

Bild Hamburg

So funktioniert der Spiegel

Das klang verheißungsvoll. Ein Hintergrundgespräch mit einem Spiegel-Kollegen, der darüber spricht: „So funktioniert der Spiegel“. Fakt 1: Seinen Nachwuchs rekrutiert der Spiegel weitestgehend aus der Henri-Nannen-Schule. War mir schon vorher klar, also sollten die eigentlich überraschende Momente später kommen. Zum Beispiel bei Fakt 2: Der Spiegel ist streng hierarchisch organisiert. Die Generäle sind die beiden Chefredakteure Mascolo und Blumencron. Sie lesen jedes einzelne Wort, das im Heft gedruckt werden wird. Oberstleutnante sind die Ressortleiter. Weiter geht es mit den Autoren, den so genannten „Edelfedern“, von denen es beim Spiegel bekanntlich einige gibt (Osang und Co). Reporter sind diejenigen, die recherchieren UND schreiben dürfen. Redakteure sind das letzte Glied der Kette. Das Verhältnis unter den Kollegen ist hanseatisch distanziert.

Der Spiegel ist also fast schon militärisch organisiert. Und genauso ist das bei der Nachwuchsschmiede, der Henri-Nannen-Schule in Hamburg. Dem „Baby“ von Wortpapst Wolf Schneider, heute 84 Jahre alt. Er hat die Schule aufgebaut und wesentlich geprägt. Heute ist er pro Kurs nur noch eine Woche da. Aber in dieser Woche wird den Nachwuchsjournalisten vor allem Disziplin eingeflößt und die Aufmerksamkeit für die eignen Texte geschärft.

Die Nannenschule definiert 3 Arten von Journalisten. Diejenigen, die ein Gespür für Themen haben. Diejenigen, die gut recherchieren und die über gute Kontakte verfügen. Und diejenigen, die besonders gut schreiben können. Selten ist es so, dass sich alle drei Faktoren in einer Person vereinen. Ausnahmen wie Hans Leyendecker bestätigen die Regel. Um die Recherche zu erleichtern hat der Spiegel so genannte „Dokumentationsjournalisten“. 120 an der Zahl. Man nennt sie auch „Fact Checker“. Sie überprüfen jede einzelne Einzelheit und machen den Spiegel so verlässlich. Nach dem Motto: Was der Spiegel schreibt, stimmt.

Interessant fand ich, dass der Kollege von einem „großen Zusammengehörigkeitsgefühl“ der Nanneschüler gesprochen hat. Wolf Schneider hat das vorgelebt und alle anderen eifern ihm offenbar nach. Das heißt die Seilschaften innerhalb der Alphamedien funktionieren prächtig – und führen dazu, dass alle wichtigen Medien mit Nannenschülern durchtränkt sind, vor allem natürlich die Gruner+Jahr-Publikationen… Die beiden größten Vorteile der Henri-Nannen-Schule sind demnach: die hervorragende Ausbildung, die sich keine andere Journalistenschule in diesem Maß leisten kann. Und das hochkarätige Netzwerk, auf das die Absolventen zurückgreifen können. Um angenommen zu werden, muss man das übliche Auswahlverfahren durchlaufen, wobei nicht so sehr aktuelles Wissen abgefragt wird (wie an der DJS), sondern eher eine allgemein fundierte Bildung.

Spiegel Online (SPON) ist ein eigenes Kapitel. Und über dieses Kapitel haben wir beim diesjährigen JungeJournalisten-Bundestreffen in Hamburg mit einem Vertreter der Chefredaktion gesprochen. Das Verhältnis zwischen dem Magazin und des Online-Nachrichtenportals habe sich stark verbessert, seitdem Blumencron in die Chefredaktion des Magazins gewechselt sei. Schließlich habe er vorher SPON geleitet und verstehe etwas von Onlinemedien, im Gegensatz zu Stefan Aust, der eigentlich ein Fernsehmacher gewesen sei. Was gut bei SPON funktioniere seien Meinung und Personality. Auch Videoformate wie Matusseks Videoblog liefen sehr gut. Ansonsten sei die Videosektion bei SPON aber ein „Stochern im Nebel“ und man habe das Gefühl, dass derzeit eine gewisse Sättigung im Bewegtbildmarkt eingesetzt habe.

Mit 150 Mitarbeitern hat Spiegel Online fast viermal so viele wie sueddeutsche.de. Das führt dazu, dass sie SPON um seine Marktführerstellung keine Sorgen machen muss. Und eine „Kanibalisierung mit der Printausgabe“ gebe es auch nicht, wenn Artikel, die im Magazin erschienen sind, online gestellt werden würden. Der Grund: mehr als 90 Prozent der Inhalte werden von SPON-Redakteuren verfasst, nur fünf Geschichten aus dem Magazin wandern jede Woche zur Onlineseite. Diese aber sind interessanterweise die am besten geklickten. Ein Fakt, der eindeutig widerlegt, dass Onlineuser nur auf der Suche nach schnellen Informationen sind.

Getrennte Welten: PR und Journalismus

1. These: PR hat sich professionalisiert. Der Grund: Der Kampf um Aufmerksamkeit hat sich verschärft. Deshalb sind die Instrumente der PR aggressiver und professioneller, denn die Aufnahmefähigkeit des Publikums ist erschöpft.

2. These: Redaktionen sind durchlässiger für PR, weil Mitarbeiter entlassen wurden und die Nachfrage für fertige Artikel größer geworden ist.

3. These: In Deutschland stehen 48.000 hauptberufliche Journalisten etwa 30.000 bis 50.000 PR-Leuten entgegen. In den USA ist das Verhältnis noch extremer. Auf einen Journalisten kommen drei PR-Leute. In Deutschland könnte es in eine ähnliche Richtung steuern.

4. These: Die journalistische Berufsrolle verwässert zunehmend. Das heißt, Journalisten sind sich gar nicht mehr darüber im Klaren, dass es eigentlich ein Problem ist, dass sie zum Beispiel PR für Luftfahrt machen und gleichzeitig über Luftfahrtthemen schreiben – ohne es entsprechend zu kennzeichnen.

5. These: PR braucht keine professionellen Medien, um seine Inhalte zu kommunizieren. Durch das Internet sind neue Ausspielkanäle entstanden, so dass es inzwischen Inhalte gibt, die wie Journalismus aussehen, in Wirklichkeit aber verkappte Werbung sind. Die frühere Gatekeeper-Funktion der Journalisten ist dadurch aufgeweicht.

Alle diese Thesen stammen nicht von mir sondern von Volker Lilienthal, dem Honorarprofessor für Qualitätsjournalismus in Hamburg. Ich schätze den Kollegen sehr und deshalb habe ich Anfang November den Stammtisch von netzwerk recherche (nr) zum Thema „Getrennte Welten: PR und Journalismus in der Ausbildung“ besucht. Lilienthal hat sich gegen eine Verdammung von PR ausgesprochen und sagt „Öffentlichkeitsarbeit besteht aus Journalismus UND PR“. Nur dürfe eine Pressemitteilung nicht die einzige Quelle sein, sondern sollte der auslösende Moment für weitere Recherche sein. Tina Groll, die auch im Vorstand von nr ist, mahnte an, dass ein Journalist laut Medienkodex keine PR machen dürfe. An diesem Postulat hat auch an diesem Abend keiner gezweifelt. Die einhellige Meinung war, dass man an diesem Grundsatz unbedingt festhalten müsse. Tatsache ist aber auch, dass die meisten Journalisten, die mit PR Geld verdienen, das nicht machen weil ihnen PR so viel Spaß macht. Sie sind auf die PR-Jobs angewiesen, weil das Zeilenhonorar vieler Zeitungen einfach zu niedrig ist. Medienjournalist Daniel Bouhs meinte, dass man den Job als Journalist an den Nagel hängen müsse, wenn man ohne PR nicht auf sein Einkommen käme.

Ich persönlich verurteile das nicht, wenn Journalisten nebenbei PR-Jobs machen. Ich kann es mir für mich nicht vorstellen, aber mir steht es auch nicht zu, darüber zu richten. Wichtig finde ich, dass man die PR-Jobs vom journalistischen Berichtsgebiet trennt. Also nicht über ein Unternehmen schreibt, wenn man PR für eben dieses Unternehmen macht. Das würde bedeuten, dass die Berichterstattung zwangsweise schön gefärbt ist und das ist nicht glaubwürdig. Dabei ist Glaubwürdigkeit das größte Gut von uns Journalisten. Deshalb sollten wir alles daran setzen, das nicht zu gefährden.

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BLOG: Neues aus der Medienszene

http://www.zeitverlag.de/pressemitteilungen/matthias-nas-wird-internationaler-korrespondent-der-zeit-moritz-muller-wirth-ubernimmt-nachfolge-als-stellvertretender-chefredakteur/

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