Junge Journalisten tauschen sich mit Finanzexperten aus

Wie kann ich finanziell für das Alter vorsorgen? Wie zahle ich sicher im Internet? Und wie berichte ich darüber, um dem Leser verständlichen Service zu bieten? Um diese Fragen ging es beim 12. Finanz-Presse-Forum, das der BJV zusammen mit der Sparkassen-Finanzgruppe Bayern in Wildbad Kreuth veranstaltete.

Hinterher ist alles einfacher, als es vorher aussah. Im Idealfall denkt das der Leser, Zuhörer oder Zuschauer, wenn ihm Medien ein Thema näherbringen. Besonders in Bereich Wirtschaft und Finanzen können diese Themen sehr komplex sein. Deshalb ist gerade hier die Fähigkeit der Journalisten gefragt, zielgruppengerecht und praktisch zu arbeiten. Ihnen das nötige Wissen zu vermitteln und Vorschläge zur Umsetzung zu geben, das bleiben die Ziele des Finanz-Presse-Forums auch in diesem Jahr.

Kernstück der knapp dreitägigen Veranstaltung sind deshalb die Vorträge der Experten aus der Sparkassen-Finanzgruppe. So geht es zunächst um die BayernLB. Sich stärker an den Bedürfnissen des Mittelstandes zu orientieren sei dabei ein zentrales Merkmal der „neuen“ BayernLB nach der Pleite im Auslandsgeschäft. Vertreter der LBS Bayern verlangten, die Möglichkeiten des Bausparens, vor allem der Riester-Förderung, anschaulich zu vermitteln. Gerade im Lokaljournalismus seien Fallbeispiele hilfreich. Danach widmen sich Monika Kummer von Bayern Card-Services und Hans Schmid vom Sparkassenverband der Sicherheit im Zahlungsverkehr. Im wachsenden Geschäft des E-Commerce, also des Handels über das Internet, sei dieses Thema brisant wie nie. Da die Betrugsversuche immer geschickter werden, müssten auch die Finanzanbieter Innovationen präsentieren. Hier gebe es interessante neue Angebote, wie zum Beispiel einer sofortigen SMS-Benachrichtigung bei Abbuchungen aus dem Ausland. Zuletzt wird die Frage gestellt, wie eine Lebensversicherung der Altersvorsorge dienen kann. Auch hier sei die Information über die staatliche Förderung wichtig. Zu allen Themen können die Teilnehmer Fragen stellen und Ergänzungen verlangen. Die lebhafte Diskussion moderiert Alexander Kain. Der stellvertretende Chefredakteur der Passauer Neuen Presse gibt außerdem Tipps, wie man die besprochenen Themen im Redaktionsalltag kreativ umsetzen kann.

Alexander Kain (PNP) moderierte die Diskussionen und gab praktische Tipps

Die 24 jungen Journalisten aus ganz Bayern bekommen beim Finanz-Presse-Forum auch die Möglichkeit, mit erfahrenen Kollegen über deren Fachgebiet zu sprechen. Am ersten Abend erzählt Bernd Ernemann von seiner Arbeit. Er ist Chefredakteur von MUNICH ONLINE und leitet dort die Webpräsenzen von Münchner Merkur und tz. „Das Wichtigste überhaupt“, sagt er, „ist an der Zeitungsmarke zu arbeiten.“ Der Leser müsse merken, dass die Zeitung online noch mehr zu bieten hat – auch wenn das im Fall des Münchner Merkur und der tz momentan nur die Anreicherung der Zeitungsausgabe ist. Eigene Artikel entstehen in der Onlineredaktion nicht. Man müsse als Onlinejournalist immer daran denken, dass der Nutzer gerade in der Arbeit sitzt. Deshalb seien Bilderstrecken und Blaulichtthemen wichtig, um leichte Kost zu bieten. „Manchmal ist es deprimierend, was der User will“, gibt Ernemann zu. Trotzdem sei der Beruf des Journalisten so spannend wie nie zuvor.

Am zweiten Abend werden die Teilnehmer mit der Kutsche zur Schwaigeralm gefahren, wo ihnen Wolfram Weimer das neue Konzept des Focus vorstellt. Der Gründer des Politmagazins Cicero hat dort Anfang September zusammen mit Uli Baur die Chefredaktion von Focus-Vater Helmut Markwort übernommen. Jetzt plant er dort tiefgreifende Änderungen, will das Nachrichtenmagazin „ein Stück weit neu erfinden“. Am aktuellen Heft beschreibt er, was bereits renoviert worden ist. Es gibt einen Debattenteil, der auf prestigeträchtige Gastautoren setzt sowie ein neues Investigativressort. Weimer will die Premium-Idee des Cicero offenbar auf den Focus übertragen und damit zum Leitmedium werden. Wie kann das funktionieren? „Man darf nicht nur auf Nutzwert setzen, sondern auch mal auf Denkwert.“

Wolfram Weimer (Focus) erklärte seine „Quality-Idee“ und forderte „nachhaltigen Journalismus“.

Aber auch außerhalb seines Hauses hofft er auf Veränderung. „Wir haben in den letzten 20 Jahren im deutschen Printjournalismus nicht mehr substanziell investiert“, sagt er. „Nichts ist wirklich geschehen.“ Seinen Cicero nimmt er aus. Dann verlangt er mehr Neugründungen von den Verlagen. „Die Verleger sollen darin investieren, was sie groß und mächtig gemacht hat: Journalismus.“ Print führe zu sehr eine Verteidigungsschlacht. Das könnte zum Verhängnis werden.

Neben dem fachlichen Wissen aus der Finanzwelt wird den Teilnehmern des 12. Finanz-Presse-Forums also auch Innovatives aus der Medienwelt vermittelt. Dabei bleibt genügend Zeit, um Kontakte zu knüpfen und das journalistische Netz um Finanzexperten und interessierte Kollegen zu erweitern. Zum Abschluss gibt es positive Resonanz, vor allem für die praktischen Tipps. Das Forum hat vielen neue Ideen gegeben und dazu ermutigt, in ihrer Arbeit auch Finanzthemen zu behandeln.

Text & Fotos: chp

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: