n-ost Reportagepreis: Die Gewinner 2010

Vor über 100 Gästen aus Medien, Kultur und Wirtschaft ist am 20. Oktober zum vierten Mal der n-ost-Reportagepreis verliehen worden. Die herausragenden Reportagen wurden bei einer Festveranstaltung im Grünen Salon der Berliner Volksbühne ausgezeichnet.

Drei Journalisten konnten die Auszeichnungen und Preisgelder von insgesamt 3.500 Euro entgegennehmen. Eine elfköpfige internationale Jury hatte zuvor die besten Texte aus 82 eingereichten Arbeiten ausgewählt.

„n-ost zeichnet nicht nur schmissig geschriebene Artikel aus, sondern vergibt einen Preis für das Genre Reportage, und das mit Bedacht“, urteilte Jury-Mitglied und F.A.Z.-Herausgeber Werner D’Inka. Der mit dem ersten Platz prämierte Text über einen Schweizer Bauern in der Ukraine verfüge über eine durchdachte Dramaturgie und hüte sich klug vor Verallgemeinerungen, so D’Inka.

Als einzige Auszeichnung prämiert der n-ost Reportagepreis herausragende Texte über Mittel- und Osteuropa in deutschsprachigen Medien. „Wir setzen uns dafür ein, dass das Osteuropa-Bild genauer, vielfältiger und weniger erwartbar wird“, sagte n-ost-Geschäftsführer Hanno Gundert. Zum ersten Mal fand die Verleihung in Berlin und nicht in Osteuropa statt. „Damit sind wir präsenter in der deutschen Medienlandschaft, die wir mit dem Preis erreichen wollen.“

Die Preisträger 2010 sind:

1. Platz: Sven Behrisch, freier Journalist (2.000 Euro)
Zu einer knappen Stunde Autofahrt hat Sven Behrisch, geb. 1979, die Erfahrungen eines jungen Schweizer Bauern in der Ukraine verdichtet. In „Kein schöner Land“ (Dummy, September 2009) beschreibt er das Durchhaltevermögen, mit der der 28-Jährige sich dort einen eigenen Hof aufbaut und die Brutalität, mit der ihn sein ukrainischer Konkurrent zu vertreiben sucht.

2. Platz: Andreas Albes, Reporter beim Stern (1.000 Euro)
Andreas Albes, geb. 1967, führt in die Stadt Semipalatinsk in Kasachstan, in der das sowjetische Militär mehr als 400 Atombomben testete und dessen Bewohner zu unfreiwilligen Versuchsobjekten machte. Für seine Reportage „Strahlende Zukunft“ (Neon, September 2009) portraitiert er Berik, den „Mann ohne Gesicht“, an dessen Kopf man nur mit Mühe einen kleinen Mund und ein zugewachsenes Augenlid erkennt.

3. Platz: Agnieszka Hreczuk, n-ost-Korrespondentin und freie Journalistin (500 Euro)
Vom Zwiespalt der Arbeit im ehemaligen KZ Auschwitz erzählt Agnieszka Hreczuk (geb. 1975) in „Was vom Entsetzen bleibt“ (Tagesspiegel, 27. Januar 2010). Sie porträtiert eine Konservatorin, die mit Leidenschaft ihren Beruf ausübt – aber bewusst kein Deutsch lernt, um Distanz zu den Gegenständen zu bewahren, die sie in den Händen hält.

Nominiert waren sieben weitere Reportagen:
Ariane Heimbach: Wenn Mama kommt, sind alle Tage wie Ferien (Brigitte, 12.08.2009)
Kevin P. Hoffmann: Nachbars Feuereifer (Tagesspiegel, 20.09.2009)
Raluca Nelepcu: Sie mussten in der Öffentlichkeit schweigen (Banater Zeitung, 10.03.2010)
Eckehard Pistrick: Traubenschnaps und Wolfsgeheul (Eurasisches Magazin, 31.12.2009)
Thomas Roser: Der bunte Zug der Versöhnung (Welt am Sonntag, 17.01.2010)
Tina Veihelmann: Zeiten des Aufbruchs (Dummy, Frühjahr 2010)
Christian Weisflog: Sklave des Vaterlands (Tagesspiegel, 25.08.2009)

Gefördert wurde der n-ost-Reportagepreis 2010 durch die METRO GROUP in Düsseldorf.

Mit dem n-ost Reportagepreis zeichnet das Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung Texte aus, die durch gründliche Recherche, ein außergewöhnliches Thema und hervorragenden Stil überzeugen. n-ost will Ländern und Menschen des östlichen Europas damit ein stärkeres Forum in deutschsprachigen Medien geben.

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