Spiel, Spaß und jede Menge Schweißperlen

Seit dem 1. Juli 1990 gibt es den Tarifvertrag für Tageszeitungsvolontäre. Dieses 20-jährige Jubiläum hat uns dazu bewogen mal nachzuschauen wie die Situation der aktuellen Volontäre aussieht. Den Anfang macht Pauline Tillmann, sie ist Vorsitzende der Fachgruppe Junge im BJV und hat vor einem Jahr beim Bayerischen Rundfunk (BR) in München volontiert.

Ich hatte das Glück mein Volontariat von September 2007 bis 2009 beim BR absolvieren zu dürfen. Glück, weil sich gemeinsam mit mir einige hundert Jungjournalisten beworben haben – um einen der begehrten zwölf Plätze pro Jahr. Das Wichtigste bei der Auswahl ist meinem Eindruck nach, dass man zum Sender passt. Dass man einige Sendungen kennt. Und dass man die Jury nicht zuletzt von sich überzeugen kann, ohne abgehoben und arrogant zu wirken. Hat man das alles geschafft, hat man das Glück zwei Jahre harte Schule erleben zu dürfen. Eine Schule, die einem alles mitgibt, was man später mal braucht.

Pauline Tillmann vor dem BR-Gebäude in München

Das Prinzip: Ein Monat Seminar und ein Monat Redaktionsaufenthalt im Wechsel. Zu gleichen Teilen wird Radio und Fernsehen unterrichtet, Online wird leider immer noch ein bisschen stiefmütterlich behandelt. So hatten wir Trainer zu Themen wie Interview, Nachrichten, Moderation, Reportage, eine VJ-Einführung und vieles mehr. Wir durften beim „Stadtradio in Nürnberg“ jeden Tag vier Stunden Sendung machen, und zum Beispiel in die Rolle des CvDs schlüpfen oder mit einem Übertragungswagen vor Ort berichten. Ein anderes Projekt war „poliTV“ – eine halbstündige Politiksendung im Bayerischen Fernsehen zur Europa-Wahl 2009. Ziel: Jüngeres Publikum an das schwierige Thema Politik heranzuführen. Die Bundespolitik durften wir auch bei einer einwöchigen Studienreise nach Berlin kennenlernen, in Brüssel ging es schließlich in einer zweiten Studienreise um Europapolitik.

Das Volontariat schenkte mir einige Freiheiten (man darf sich die meisten Redaktionsstationen selbst aussuchen), verlangte aber auch viel Disziplin und Durchhaltevermögen. Und nicht zuletzt Teamgeist, schließlich ist man zwei Jahre lang mit elf Mit-Volontären dazu angehalten kreativ zu sein und viel zusammenzuarbeiten. Der Preis: ein extrem verkümmertes Privatleben. Nach dem Volontariat wird einem aber schnell bewusst, was diese harte Schule mit einem gemacht hat. Das Wichtigste: Man ist universal einsetzbar. Die meisten Ex-Volontäre arbeiten nach wie vor beim BR (85 Prozent). Kein Wunder, schließlich steckt der BR viel Geld in die Ausbildung seines Nachwuchses. Und der kann dann auch in der Nachrichtenredaktion arbeiten, genauso wie in der Planung, als Reporter oder als Autor – und zwar beim Radio, Fernsehen und im Bereich Online. Die wichtigste Voraussetzung: Leidenschaft für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Die Situation den Medien ist aufgeregt, Sparen ist die vorherrschende Haltung. Doch die Volontäre zeigen sich zufrieden mit ihrer Ausbildung. Christian Pfaffinger stellt drei von ihnen vor.

Michael Brehme ist 22 und seit September 2009 als Volontär im dpa-Landesbüro München. Er schätzt vor allem die Verantwortung, die er bei der Nachrichtenagentur trägt. „Hier wird man schon früh auf Termine von bundesweiter Bedeutung geschickt“, sagt er. „Deshalb habe ich mich für die Agentur entschieden“. Michael Brehme ist zielstrebig, schon in der Schule weiß er, dass er Journalist werden will. Nach dem Abitur absolviert er Praktika beim Deutschen Fußball-Bund und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, arbeitet schon zuvor frei für eine Regionalzeitung und den Kicker. Dann bewirbt er sich bei der dpa und wird ohne Studium für das Volontariat genommen. Mittlerweile ist er umso mehr überzeugt, den richtigen Ausbildungsweg gefunden zu haben. Als dpa-Volontär verbringt er mehrere Wochen in Brüssel und Berlin und arbeitet in allen Ressorts. Er wird an Video und Audio herangeführt. „Betreuung und Arbeitsbedingungen sind sehr gut“, meint Brehme. Nach dem Volontariat, hat er gute Chancen, übernommen zu werden, denn dpa bildet nach Bedarf aus. Und was hat Michael Brehme im Volontariat bisher am liebsten gemacht? „Die Berichterstattung über den FC Bayern.“

Vanessa Assmann ist 28 und seit August 2009 als Volontärin bei der Münchner Abendzeitung. Den Einstieg in die Redaktion beschreibt sie als fair und berechenbar. Nach ihrem Politikstudium macht sie mehrere Praktika, unter anderem bei der Süddeutschen Zeitung und beim ZDF. Dann tritt sie ein dreimonatiges Praktikum bei der Abendzeitung an. „Die Ansage war von vorneherein: Wenn es gut läuft, ist eine Volontariat drin.“ Es lief gut, doch zunächst ist kein Volontärsposten frei. Sie arbeitet einige Monate frei für das Boulevardblatt, bis die Stelle frei wird. Dann klappt es. Die Zeitung mit der starken lokalen Ausrichtung sei für sie das Richtige, erzählt sie. „Es ist toll wenn man raus kommt. Lokales Leben hat für mich einen großen Reiz.“ Dennoch arbeitet sie auch in anderen Ressorts einschließlich Online. „Wir werden an allem beteiligt, von der Themenfindung bis zum Layout.“ Sie darf externe Seminare besuchen und wird von Redakteuren geschult. Wie hoch die Chance ist, übernommen zu werden, lässt sich heute schwer sagen. Die klamme Situation des Verlags spüren auch die Volontäre, aber Vanessa Assmann ist zufrieden. „Es macht einfach Spaß, als Journalist zu arbeiten.“ Auch das lernt man im Volontariat.

Michaela Förster ist 24 und seit knapp einem Jahr feste Freie bei PremiumPark. In dem jungen Münchner Verlag erscheint neben Kundenmagazinen auch „pure“, das „Magazin für Design und Nachhaltigkeit“. Dort übernimmt Michaela Förster neben dem Schreiben vor allem Aufgaben an der Schnittstelle zwischen Autoren und Produktion. „Ich schreibe zwar nach wie vor, habe aber mittlerweile auch die Koordination zum Beispiel mit Druck und Grafik übernommen“, beschreibt sie ihre Arbeit. Dass sie zu dem kleinen aber wachsenden Verlag gefunden hat, sei Zufall gewesen. „Ich bin überall so reingestolpert.“ Während sie in München Kommunikationswissenschaft studierte, arbeitete sie als wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität und ist Werkstudentin bei einer Personalberatung. „Dabei war der Journalismus mein Ziel“, erzählt sie. Deshalb arbeitete sie zwei Monate als Praktikantin bei sueddeutsche.de. Die Arbeitsproben legte sie bei Premium Park vor und durfte den Verlag zunächst als freie Mitarbeiterin unterstützen, später als feste Freie. „Ich denke, der Journalismus bietet nach wie vor Chancen für Quereinsteiger und solche, die nicht den klassischen Weg eines Volontariats gehen“, sagt Michaela Förster. Ob sie bereit sei, ein Volontariat nachzuholen, falls es später einmal nötig wäre? „Nur wenn die Ausbildung wirklich gut strukturiert ist und danach nicht nur ein auf kurze Zeit befristeter Vertrag winkt. Das müsste man vorher klären.“

Fotos: chp/privat

3 Antworten to “Spiel, Spaß und jede Menge Schweißperlen”

  1. Traurig « Issgelb.de* Says:

    […] BR hat sehr strenge Aufnahmekriterien für Volontäre. Sie müssen unter anderem ein Praktikum absolviert und einen Bezug zum BR haben – sie müssen […]

  2. Issgelb.de Says:

    Ein guter Artikel! Ich habe auch ein meinem Weblog verlink. Gut gemacht!

  3. SPON-Leser Says:

    Hm, schade um den Journalistennachwuchs, der sich hier so selbstbewusst präsentiert, wenn soetwas (http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,735243,00.html) dabei herauskommt. Vielleicht sollte man doch über die Studienpflicht für Volos nachdenken, damit sie – bevor sie auf die Allgemeinheit losgelassen werden und Dünnsinn verbreiten – selbst mit etwas mehr Wissen und Lebenserfahrung gefüttert werden. So jedenfalls wird dat nüscht!

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