Alles ist neu, jeder fremd

Der erste Tag im Praktikum – wie habe ich es bis dorthin geschafft und wie verhalte ich mich richtig, um einen guten Eindruck zu machen? Antworten auf diese und weitere Fragen gab es für die Fachgruppe Junge Journalisten unter dem Motto „Praktikumsknigge“ Anfang Juni im PresseClub München. Diskutiert wurde mit dem Münchner Merkur Lokalchef Mike Schier und Martin Langeder, Redakteur bei megaherz film und fernsehen.

Verschiedener könnten sie nicht sein, die Praktikumserfahrungen von Mike Schier und Martin Langeder. Während der Lokalchef vom Münchner Merkur gerade mal ein Praktikum absolvierte, versuchte sich der Redakteur von megaherz film und fernsehen rund neun Mal in der Journalistenwelt, bevor er eine Festanstellung annahm. Doch beide haben ihren Platz in der Medienwelt gefunden und sind sich einig: Wer Engagement sowie Eigenständigkeit zeigt, vor Arbeit nicht zurückschreckt, offen, teamfähig und verlässlich ist, der macht seinen Weg als Redakteur.
„Ich wollte so vieles während meiner Studienzeit ausprobieren. Film, Rundfunk, Print, Online“, erklärt Langeder. „Das war gut so, jeder sollte so viele Erfahrungen machen, wie er für richtig hält, um zu wissen: das will ich später machen, das nicht“. Mittlerweile ist der gebürtige Österreicher bei megaherz film und fernsehen in München, zuvor hat er ein Studium in Wien und Hamburg sowie eine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München absolviert.

Mike Schier (l.) und Martin Langeder bei der Diskussion

Mike Schier ist seit 2008 Lokalchef des Münchner Merkur. Tagtäglich wuseln bis zu drei Praktikanten in seinem Ressort herum, jede Woche treffen mehrere Bewerbungen ein. Worauf kommt es an? Wie wird man ausgewählt? „Ich lege sehr viel Wert auf das Anschreiben, Zeugnisse und Arbeitsproben überfliege ich meist nur. Ich schaue, ob derjenige meinen Namen richtig geschrieben hat, wie die Rechtschreibung ist und ob er gut formulieren kann? Das sind meine Kriterien. Erst dann wird der Kandidat zum Bewerbungsgespräch eingeladen.“ Ist die erste Hürde also schon mal geschafft, sitzt man bald seinem eventuell zukünftigen Vorgesetzten gegenüber. Wie geht es dann weiter? „Bei dem Gespräch“, sagt Schier, „sollte man Fragen stellen und nicht nur Antworten geben. Wer nichts zu sagen hat, wie soll aus dem einmal ein guter Journalist werden?“

Steht man nun endlich an seinem ersten Tag in den heiligen Hallen seines Wunschpraktikum-Platzes heißt es: „Sich souverän vorstellen, die neuen Kollegen begrüßen, offen sein, sich versuchen, ins Team zu integrieren und Fragen stellen, wenn einmal etwas unklar ist“, so Schier. Nichts sei so schlimm, wie neue Praktikanten, die sich still an ihren Platz setzen und nicht wahrgenommen werden wollen. „Man muss zeigen, dass man arbeiten will, Artikel schreiben und versuchen, sich immer hilfsbereit zeigen.“ Außerdem sei ein guter Draht zur Sekretärin nie verkehrt, genauso wie „richtiges“ Telefonieren. Seinen vollen Namen sagen, von welchem Medium man ist und fragen, ob derjenige gerade Zeit hat. Auch Martin Langeder stimmt zu: „Ich weiß es noch selbst von meinen vielen Praktika. Präsenz zeigen ist enorm wichtig, ruhig mal länger nach Redaktionsschluss bleiben und in jedem Fall: Mut zur Arbeit!“ Auch wenn man bei der heutigen „Generation Praktikum“ oft nichts für seine Arbeit an Geld bekommt, die beiden Journalisten sind sich einig: Die Erfahrungen und vor allem die sozialen Kontakte und Netzwerke, die man mithilfe von diversen Praktika bekommt, machen fehlende Bezahlung mehr als wett.

Text: Nina Zeller, Foto: chp

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