Wie überlebe ich die ersten 100 Tage? Tipps von Autorin und Coach Gunda Achterhold

Die Veranstaltung am Montag, 25. Januar im Münchner Presseclub, sollte Aufschluss geben über Strategien im neuen Job. Dazu hatten der Journalistinnenbund München und die BücherFrauen eine ausgewiesene Expertin eingeladen. Gunda Achterhold heißt sie und hat bereits ihre Kolumnen für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung unter dem Pseudonym Sonja Streit herausgebracht (Buchtitel: „Fragen Sie den Coach“). Als Coach hat sie dann auch an diesem Abend gewirkt und den 40 anwesenden Frauen jede Menge Tipps für den Berufseinstieg mitgegeben.

Praktisch: Ihr Wissen ist auch als Buch erschienen, so dass man die Ratschläge in Ruhe nachlesen kann. „Im neuen Job – Überlebensstrategien für die ersten 100 Tage“, Sanssouci, für 12,90 Euro.

 „Neues Jahr, neues Glück und vielleicht ein neuer Job?“, so beginnt Gunda Achterhold ihre Ausführungen. Bei der beruflichen Veränderung stellten sich neue Herausforderungen und man müsse sich neu orientieren. Vor allem der erste Tag sei schwierig. Was ziehe ich an? Wo setze ich mich hin? Und warum um Himmels Willen nimmt keiner Notiz davon, dass ich jetzt da bin. „Das ist völlig normal,“ sagt Achterhold, „die anderen arbeiten einfach weiter, für sie ändert sich zunächst einmal nichts“.

1. Rat: Ins Sekretariat gehen und herausfinden wie man das mit dem Einstand macht etc. Und auf keinen Fall: Sekretariat unterschätzen.

„Es gibt natürlich Unternehmen, bei denen es Mentoren oder Paten gibt, aber das ist nicht die Regel“, so Achterhold. Deshalb müsse man selber aktiv werden.

2. Regel: Initiative zeigen und fragen, fragen, fragen. Es darf einem nicht peinlich sein auf die Leute zuzugehen und nachzuhaken, wenn man etwas nicht versteht.

Die „heimlichen Spielregeln“ (wer kann mit wem? etc.) finde man zwar erst im Laufe der Zeit heraus. Aber um nicht gleich sämtliche Fettnäpfchen mitzunehmen ist es ratsam sich einen „Kollegen seines Vertrauens“ (sympathisch, erfahren) herauszupicken und diesem heikle Fragen zu stellen. Das baut Unsicherheiten ab und Selbstbewusstsein auf.

3. Regel: Zuhören und nicht zu viel von sich preisgeben.

„Denn die größten Fallstricke lauern im Zwischenmenschlichen.“ Achterhold meint, man solle sich vor allem nicht vorschnell vereinnahmen lassen und sich in Zurückhaltung üben. Auf keinen Fall dürfe man schlecht über die Kollegen oder den letzten Job sprechen – „denn so was fällt immer wieder auf einen zurück“.

Klar ist auch: Das ist ein Balanceakt. Man will „part of the team“ sein, den Kollegen von sich erzählen, damit sie einen kennen lernen. Aber auf der anderen Seite darf man eben nicht zu viel von sich preisgeben, um sich nicht so angreifbar zu machen. Erhellend sei es, meint Achterhold, sich mal in die Lage der Kollegen zu versetzen. „Zum Beispiel, wenn man als junge aufstrebende Kraft auf ältere Mitarbeiter stößt, die plötzlich um ihre Stellung im Unternehmen bangen.“

4. Rat: Sich im Unternehmen umschauen und Organigramme studieren.

Über den eigenen Tellerrand hinausschauen, lautet das Motto. Um zu wissen: Wer ist wirklich wichtig? Und wer hat wirklich was zu sagen? „Das sind nämlich nicht immer diejenigen, die den teuersten Anzug anhaben.“ Richtige Chefs zeichneten vor allem durch einen souveränen Umgang mit Mitarbeitern aus, erklärt Achterhold. Dabei sei es vor allem wichtig Meetings zu besuchen.

5. Rat: Geh’ in Meetings und lerne.

„Aus Meetings kann man viele Rückschlüsse ziehen, deshalb ist das durchaus eine gute Gelegenheit die Abteilung kennen zu lernen.“ Ein anderes Thema, das Achterhold, an diesem Abend besprochen hat, ist Zeitmanagement. Was macht man, wenn die Ablage überquillt? Ratschlag von der Expertin: ein eigenes System entwickeln die Ablage in den Griff zu bekommen – das koste einmal richtig Zeit, im Nachhinein sei aber viel Zeit dadurch gewonnen.

6. Rat: Prioritäten setzen. Stichwort: ABC-Analyse. Was hat hohen, mittleren oder niedrigen Vorrang? Was kann bis zum nächsten Tag warten? Wichtig, um sich einen Überblick zu verschaffen und Deadlines nicht aus dem Auge zu verlieren.

7. Rat: Realistische Teilziele stecken. Was schaffe ich heute? Damit man sich auch mal am Ende des Tages auf die Schulter klopfen kann…

Ein wichtiges Thema, das Gunda Achterhold noch zum Schluss angesprochen hat, ist: Was tun, wenn es mal kriselt? Am Wichtigsten sei herauszufinden: „Wo läuft es schief?“ Und wenn mal ein Fehler passiere, den sofort aufzuklären, sich zu entschuldigen und weiterzumachen. „Auf keinen Fall in Duckhaltung gehen und abwarten.“ Die Probezeit von sechs Monaten sei schließlich auch dazu da, auf beiden Seiten abzuklären, ob das Verhältnis passt. Und man dürfe nicht vergessen: Jedes dritte Arbeitsverhältnis werde vor Ablauf der Probezeit beendet. „Dabei muss man sich klar machen: Woran liegt es, dass es nicht so gut läuft? Wo ist mein Anteil? Und was kann ich dagegen tun?“

 8. Rat: Trenne Kritik an Sachthemen von der eigenen Person.

Leichter gesagt als getan, denn Kritik nehmen die meisten von uns persönlich. „Aber genau das ist falsch“, sagt Achterhold, „oft stecken Machtspiele hinter einer Kritik oder Unsicherheit“. Seitenhiebe dürfe man einfach nicht persönlich nehmen – „das hilft um sich in Zukunft nicht beleidigt und verletzt zurückzuziehen sondern langfristig mit schwierigen Situationen emotionsfreier umzugehen“. Und das ist gut für alle Beteiligten.

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